Wie Pflanzendrinks den oralen Biofilm verändern

Hafermilch im Kaffee, Mandelmilch im Müsli, Sojadrink im Smoothie: Pflanzliche Kuhmilchalternativen sind aus vielen Küchen nicht mehr wegzudenken. Eine neue Laborstudie zeigt nun, dass sie auch im Mund Spuren hinterlassen.

Der Trend ist in den Supermärkten unübersehbar: Immer mehr Menschen greifen statt zur klassischen Kuhmilch zu pflanzlichen Alternativen, sei es wegen Unverträglichkeiten, aus ethischer oder ökologischer Überzeugung oder schlicht weil es ihnen besser schmeckt. Je nach Basiszutat punkten die Produkte mit unterschiedlichen Vorzügen: Haferdrinks gelten als besonders cremig und allergenarm, Mandeldrinks warten mit wenig Kalorien und einem milden Aroma auf; Sojadrinks schließlich liefern von allen pflanzlichen Varianten den höchsten Eiweißgehalt und kommen damit der Kuhmilch ernährungsphysiologisch am nächsten. Wie sich diese Vielfalt jedoch auf die Mundgesundheit auswirkt, war bislang kaum erforscht. Ein Forschungsteam der Universität Bern hat sich dieser Frage nun angenommen.

„Unsere Mundhöhle beherbergt eine komplexe Lebensgemeinschaft aus Bakterien, die sich auf Zähnen, Zahnfleisch und Schleimhäuten zu sogenannten Biofilmen organisieren“, erklärt der Mund-Kiefer-Gesichtschirurg Dr. Igor Stojanovski von der ParkPraxis in Berlin-Friedrichshain. „Manche dieser Mikroorganismen, etwa Streptococcus mutans, begünstigen die Entstehung von Karies, andere wie Porphyromonas gingivalis stehen mit Zahnfleischentzündungen in Verbindung. Was wir täglich essen und trinken, kann die Zusammensetzung und Aktivität dieser Biofilme durchaus beeinflussen.“

Mandeldrink mit auffälligem Effekt auf Entzündungskeime
In der Laborstudie wurden ungesüßte Hafer-, Mandel- und Sojadrinks im Vergleich zu Kuhmilch auf ihre Wirkung in verschiedenen oralen Bakterienkulturen getestet. Dabei zeigte sich: Mandeldrink reduzierte im kariesnahen Modell die Keimzahlen spürbar, während Kuhmilch und Sojadrink eher die Stoffwechselaktivität und Masse des Biofilms verringerten. Im Modell für parodontale Keime schnitten vor allem Haferdrink und Kuhmilch gut ab. 

Besonders bemerkenswert: Mandeldrink konnte die Aktivität eines speziellen Enzyms von Porphyromonas gingivalis, das an der Gewebezerstörung bei Parodontitis beteiligt ist, im Versuch fast vollständig hemmen. Da es sich um eine reine Laboruntersuchung handelt, lassen sich diese Resultate allerdings nicht eins zu eins auf die komplexen Verhältnisse im menschlichen Mund übertragen – weitere Forschung ist nötig, um zu klären, ob sich daraus praktische Empfehlungen ableiten lassen.