Neue Studien belegen Unbedenklichkeit von Fluorid

Anhand eines Langzeitvergleichs von US-Countys mit und ohne Trinkwasser-Fluoridierung entkräften zwei Forscherteams verbreitete Sorgen – es kommt weder zu Schädigungen von Neugeborenen noch zu geistigen Einschränkungen im Erwachsenenalter.

Es ist unbestritten, dass Fluorid den Zahnschmelz gegen Karies wappnet, indem es ihn remineralisiert. Die Fortschritte in der dentalen Volksgesundheit – sprich: der Karies-Rückgang – der letzten Jahrzehnte dürften zu einem guten Teil auf die Verbreitung dieses Spurenelements zurückzuführen sein. Fluorid wird Zahnpasta und Speisesalz zugesetzt oder auch beim Zahnarzt direkt auf die Zähne aufgetragen, um sie zu härten. 

Doch ist das auch unbedenklich, oder drohen unerwünschte Nebenwirkungen, gar Langzeitschädigungen? Der Mund-Kiefer-Gesichtschirurg Dr. Igor Stojanovski von der ParkPraxis in Berlin-Friedrichshain gibt Entwarnung: „Bei einer normalen Fluoridaufnahme sind keine negativen Effekte bekannt. Es besteht lediglich die Gefahr, dass Kinder zu viel Fluorid aufnehmen, wenn sie häufig angereicherte Zahncreme verschlucken. Dann kann es zu einer sogenannten Fluorose kommen, die sich in weißen bis bräunlichen Flecken auf dem Zahnschmelz äußert, in extremen Fällen auch in Zahndefekten.“ 

Hartnäckig halten sich zudem Gerüchte, eine hohe Fluoridaufnahme von Schwangeren führe zu mehr Frühgeburten und niedrigerem Geburtsgewicht sowie zu kognitiven Einschränkungen im späteren Lebensalter. Groß angelegte Studien aus den USA, wo Fluorid in etwa 60 Prozent der Countys dem Trinkwasser zugesetzt wird, entkräften nun – erneut – diese Mythen. 

Riesige Datenbasis, lange Beobachtungszeiträume
Ein Team aus internationalen Forschern, unter anderem aus Basel, hat 1968 bis 1998 erhobene Daten zu rund 11,5 Millionen Geburten in den USA ausgewertet. Sie prüften, ob es in Countys nach der Einführung der Trinkwasser-Fluoridierung zu Veränderungen kam und ob sich Unterschiede zu Countys zeigten, die auf eine Fluoridierung verzichten. Wie sie nun im Fachjournal „JAMA Network Open“ berichteten, konnten sie keine solchen Auffälligkeiten feststellen – weder beim Geburtsgewicht noch bei der Schwangerschaftsdauer. 

Eine weitere aktuelle Forschungsarbeit, erschienen in „Science Advances“, kommt zu einem vergleichbaren Schluss. Die Wissenschaftler haben Daten zu den anfangs 58.000 Teilnehmern analysiert, die im Rahmen der Studie „High School and Beyond“ ab dem Schüleralter vier Jahrzehnte lang begleitet wurden. Dabei wurden auch regelmäßig die geistigen Fähigkeiten erhoben. Im Vergleich der Ergebnisse von Countys mit und ohne Trinkwasser-Fluoridierung zeigten sich nun keine signifikanten Unterschiede. Lediglich ein leichter Leistungsvorteil wurde gemessen – aufseiten der Bürger von Countys mit Fluoridierung.