Ist Vitamin-D-Mangel eine Gefahr für Zahnimplantate?

Möglicherweise Ja, konstatiert eine neue Leitlinie zu diesem Themenkomplex. Eine standardmäßige Bestimmung des Vitamin-D-Spiegels sei dennoch nach aktuellem Forschungsstand nicht nötig.

Bis zu 90 Prozent des vom Körper benötigten Vitamins D werden von ebenjenem selbst in der Haut hergestellt, wozu UVB-Strahlung der Sonne benötigt wird. Mit Sonnenschein ist Deutschland jedoch nicht im Übermaß gesegnet, weshalb nach seriösen Schätzungen etwa jeder dritte Bundesbürger unter einem Vitamin-D-Mangel leidet. Naturgemäß tritt dieser häufiger in der kalten Jahreszeit auf, zudem steigt die Anfälligkeit mit den Lebensjahren. Häufig wissen die Betroffenen nichts von ihrem Versorgungsdefizit, da die Symptome eher unspezifisch ausfallen: ein geschwächtes Immunsystem, Müdigkeit und Erschöpfung – und eine abnehmende Knochendichte, weshalb der Vitamin-D-Spiegel auch im Zusammenhang mit Implantationen eine Rolle spielt.

„Für die Festigkeit und Belastbarkeit von Knochen ist Vitamin D elementar, da es den Phosphat- und Kalziumstoffwechsel steuert. Ein Mangel kann dazu führen, dass Kalzium aus den Knochen freigesetzt wird, damit der Kalziumspiegel im Blut nicht zu stark absinkt – eigentlich sollte es umgekehrt sein, andernfalls droht die Knochendichte abzunehmen“, erläutert der Mund-Kiefer-Gesichtschirurg und erfahrene Implantologe Dr. Igor Stojanovski von der ParkPraxis in Berlin-Friedrichshain. Als Konsequenz daraus kann auch die Haltbarkeit von Zahnimplantaten in Mitleidenschaft gezogen werden, wie verschiedene Studien nahelegen.

Heterogene Forschungslage 
Wie die implantologischen Behandler – auch im Vorfeld einer Implantation, wenn die aufnehmende Knochensubstanz taxiert und gegebenenfalls aufgebaut (augmentiert) wird – mit diesem Risiko umgehen sollten, beschreibt eine kürzlich erstmalig erschienene S3-Leitlinie. 23 Fachgesellschaften hatten Experten entsandt, um den Stand der Forschung zusammenzufassen und Empfehlungen abzuleiten. Ihr Fazit: Eine routinemäßige Bestimmung des Vitamin-D-Spiegels vor jeder Implantation sei nicht erforderlich; die Studienlage berge zwar Hinweise auf mögliche Beeinträchtigungen, sei jedoch zu heterogen und zu wenig belastbar, um damit eine generelle Screeningempfehlung zu begründen. Dazu seien zunächst weitere Forschungen anzustellen.

Dennoch sollen Behandler Vitamin D immer im Blick behalten und etwa die Krankengeschichte ihrer Patienten auf Indizien für einen Mangel prüfen. Zu diesen können auch vorherige frühe Implantatverluste oder Implantatbettinfektionen zählen, deren Auslöser im Dunkeln liegen. Gegebenenfalls sei eine Supplementierung mit Vitamin D sinnvoll.