Snus wird, nach dem skandinavischen Tabak, ein neues, angeblich schonendes Nikotin-Trendprodukt unter Jugendlichen genannt. Es geht nicht nur für die Mundgesundheit mit Risiken einher.
Sie locken in kleinen Döschen mit buntem Deckel und versprechen Nikotingenuss ohne Rauch, ohne Gestank und ohne Belästigung des sozialen Umfelds: Nikotinbeutel sind unter den Zigarettenalternativen der Trend der Stunde – besonders bei Jüngeren. Dass sie für die Mundgesundheit alles andere als unbedenklich sind, zeigt nun eine aktuelle Übersichtsarbeit der University of Gothenburg, die 26 europäische Studien zu schwedischem Snus ausgewertet hat, dem Vorläufer der heute kursierenden tabakfreien Varianten.
Der Befund zum Zahnfleisch fällt dabei klar aus: Wo der Tabakbeutel sitzt, zieht sich das Zahnfleisch zurück und die Entzündungswerte steigen, und das selbst dann, wenn man Unterschiede in der Mundhygiene herausrechnet. Studienautor Mats Jontell von der Sahlgrenska Academy betont, dass es sich nicht um einen rein mechanischen Effekt handle – also nicht allein die Folge davon sei, dass etwas zwischen Lippe und Zahnfleisch klemmt. Es spreche vielmehr einiges für eine entzündliche Reaktion, die langfristig auch Knochen angreife.
„Nikotin ist ein gefäßverengender Wirkstoff“
Dieser Zusammenhang überrascht Fachleute nicht. „Nikotin ist – unabhängig davon, ob man raucht, Snus konsumiert oder Nikotinbeutel benutzt – ein gefäßverengender Wirkstoff“, erklärt Dr. Igor Stojanovski, Mund-Kiefer-Gesichtschirurg in der ParkPraxis Berlin-Friedrichshain. „Das beeinträchtigt die Durchblutung im Zahnhalteapparat, hemmt Heilungsprozesse und macht das Gewebe anfälliger für Entzündungen.“
Was die neuen, tabakfreien Nikotinbeutel angeht, tappt die Wissenschaft noch weitgehend im Dunkeln. Genau diese Produkte haben den klassischen Snus in vielen Märkten aber bereits abgelöst – konsumiert vor allem von Jugendlichen und jungen Frauen, die sie für eine harmlose Alternative zur Zigarette halten. Erste Hinweise aus der Forschung deuten darauf hin, dass auch hier die Mundschleimhaut reagiert.
Wer solche Produkte regelmäßig nutzt, sollte das beim nächsten Kontrolltermin erwähnen – und gezielt auf eine Untersuchung der betroffenen Stellen drängen. Veränderungen am Zahnfleisch, die sich schleichend entwickeln, werden sonst leicht übersehen. Und was einmal zurückgewichen ist, wächst nicht von selbst nach.


