Wie lange hält ein Implantat? Diese Frage stellen sich viele Patienten vor der Behandlung. Eine schwedische Untersuchung gibt darauf eine aufsehenerregende Antwort: Sie hat Einzelzahnimplantate begutachtet, die seit fast vier Jahrzehnten im Mund ihrer Träger sind.
Zahnimplantate sind eine vergleichsweise junge Innovation der Dentalmedizin. Als sich 13 Schweden zwischen 1982 und 1985 18 Einzelzahnimplantate einsetzen ließen, steckte die Technologie noch in den Kinderschuhen, die Patienten brauchten einen gewissen Pioniergeist. Dieser hat sich ausgezahlt, wie eine Nachuntersuchung jener 13 Patienten an der Brånemark-Klinik in Göteborg kürzlich erbrachte. Die Forscher befragten sie zu ihrer Zufriedenheit und bewerteten zusätzlich das Erscheinungsbild von Zahnfleisch und Krone. Zwar ist die Zahl der Untersuchten sehr überschaubar, doch Daten über einen so langen Zeitraum gibt es in der Implantologie kaum. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse im Fachjournal „Clinical Implant Dentistry and Related Research“.
Hinsichtlich der Funktion beim Kauen und Sprechen bewerteten die Patienten ihre Implantate auf einer Skala bis 100 im Mittel mit gut 95 Punkten, ihre Gesamtzufriedenheit lag bei knapp 93 Punkten. Uneinheitlicher fiel das Urteil über das Aussehen aus. Hier gingen die Einschätzungen der Befragten deutlich auseinander, und auch die fachliche Beurteilung des Zahnfleischs ergab mäßige bis gute Werte mit spürbaren Unterschieden.
„Ein Implantat selbst kann keine Karies bekommen, das umgebende Zahnfleisch und der Kieferknochen können sich aber durchaus entzünden. Wie lange eine Versorgung hält, hängt deshalb nicht nur vom Eingriff ab, sondern ganz wesentlich von der Pflege zu Hause und von regelmäßigen Kontrollterminen in der Praxis“, erklärt der Mund-Kiefer-Gesichtschirurg Dr. Igor Stojanovski von der ParkPraxis in Berlin-Friedrichshain.
Veränderungen vor allem im sichtbaren Bereich
Bei allen sechs auswertbaren Implantaten im Frontzahnbereich stand die Krone inzwischen nicht mehr exakt auf einer Linie mit den Nachbarzähnen. Am deutlichsten zeigte sich das am Zahnfleischrand, weniger an der Schneidekante. Woran das liegt, lässt sich nicht abschließend klären, weil aus den 1980er-Jahren keine vergleichbaren Ausgangsbefunde zum Aussehen vorliegen. Als mögliche Erklärung gilt, dass sich der Kiefer über die Jahrzehnte weiter verändert, während das fest mit dem Knochen verwachsene Implantat seine Position beibehält. Die meisten Betroffenen störten diese Veränderungen jedoch wenig.
Unterm Strich ist die Untersuchung eine ermutigende Nachricht: Die Funktion eines Einzelzahnimplantats kann über Jahrzehnte erhalten bleiben, auch wenn sich das Erscheinungsbild im Laufe der Zeit etwas wandeln kann.


