Adipositas und Diabetes können Implantatstabilität gefährden

Zahnimplantate gelten als langlebige und zuverlässige Lösung bei Zahnverlust. Doch zwei aktuelle Studien zeigen: Wer an Adipositas oder Diabetes leidet, trägt ein deutlich erhöhtes Risiko, ein Implantat wieder zu verlieren.

Ob ein Zahnimplantat dauerhaft hält, hängt nicht allein von der Qualität des Eingriffs oder der häuslichen Mundhygiene ab. Zunehmend rücken systemische Faktoren in den Blick der Forschung – also Erkrankungen, die den gesamten Organismus betreffen und dabei auch die Bedingungen im periimplantären Gewebe beeinflussen. Zwei neue Untersuchungen liefern dazu bemerkenswert klare Daten.

Eine retrospektive Studie des Philadelphia Veterans Affairs Medical Center wertete die Behandlungsverläufe von 325 implantatversorgten Patienten über mehr als ein Jahrzehnt aus. Das Ergebnis: Nach fünf Jahren war bei Patienten mit einem Body-Mass-Index von mindestens 30 kg/m² – der medizinischen Grenze für Adipositas – die Periimplantitisrate um mehr als die Hälfte höher als in der schlanken Vergleichsgruppe. Interessant dabei: Faktoren wie Alter, Geschlecht und Raucherstatus spielten in dieser Auswertung keine statistisch messbare Rolle. Als wahrscheinliche Erklärung gilt die bei Adipositas charakteristische chronische Entzündungsbereitschaft des Körpers: Fettgewebe ist metabolisch aktiv und setzt dauerhaft Botenstoffe frei, die Immunreaktionen und Gewebeheilung ungünstig beeinflussen können.

Blutzuckerkontrolle als entscheidender Faktor
Zu einem ähnlichen Befund kommt eine Dissertation der Universität Göteborg, die umfangreiche skandinavische Registerdaten ausgewertet hat. Für Menschen mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes zeigten sich nicht nur erhöhte Raten an periimplantären Entzündungen, sondern auch ein häufigerer vollständiger Implantatverlust. Als zentraler Einflussfaktor erwies sich dabei die Qualität der Stoffwechseleinstellung: Je schlechter die Blutzuckerwerte langfristig kontrolliert waren, desto ungünstiger fielen die Implantatergebnisse aus.

„Periimplantitis entsteht, wenn Bakterien das Gewebe rund um ein Implantat besiedeln und eine Entzündungsreaktion auslösen, die – unbehandelt – auf den Kieferknochen übergreift und ihn abbaut“, erklärt der Mund-Kiefer-Gesichtschirurg Dr. Igor Stojanovski von der ParkPraxis in Berlin-Friedrichshain. „Ob und wie stark sich diese Entzündung entwickelt, hängt auch davon ab, wie gut das körpereigene Abwehrsystem gegensteuern kann. Systemische Erkrankungen, die die Immunantwort oder die Gewebedurchblutung beeinträchtigen, können diesen Schutzmechanismus schwächen.“

Für die implantologische Praxis bedeutet das: Adipositas und Diabetes sind keine Ausschlusskriterien für eine Implantatversorgung, sollten aber bereits in der Planungsphase als relevante Risikofaktoren berücksichtigt werden. Engmaschige Nachsorge und eine konsequente häusliche Mundhygiene gewinnen bei diesen Patientengruppen noch einmal besonders an Bedeutung.