Manche Menschen sind anfälliger für Karies, auch wenn sie so gründlich putzen und so gesund essen wie andere. Den Hauptgrund dafür haben US-Forscher in einer aktuellen Studie dingfest gemacht.
Es gibt Personen, die – zumindest von außen betrachtet – riesige Mengen essen können, ohne zuzunehmen, während andere schon beim Anblick einer Kalorienbombe an den Hüften und am Bauch zuzulegen scheinen. Eine solche „Ungerechtigkeit“ gibt es auch auf zahnmedizinischem Gebiet: Selbst wenn zwei Menschen ihre Zähne exakt gleich behandeln und pflegen würden, wären diese unterschiedlich gesund. Der eine neigt schneller zu Karies, der andere kaum. Wie ist das zu erklären?
„Die Gesundheit von Zähnen und Zahnhalteapparat wird maßgeblich vom oralen Mikrobiom mitbestimmt, das ist die Gesamtheit der Mikroorganismen im Mund – von Bakterien über Pilze bis hin zu Viren“, erklärt der Mund-Kiefer-Gesichtschirurg Dr. Igor Stojanovski von der ParkPraxis in Berlin-Friedrichshain. „Das Mikrobiom erfüllt wichtige Funktionen, vor allem als eine Art Immunsystem der Mundhöhle zum Schutz vor Infektionen. Ist es im Gleichgewicht, haben es Karies und Entzündungen schwerer.“
Dieses Gleichgewicht hängt unter anderem von der Ernährung, der Mundhygiene und dem Stresslevel ab und lässt sich somit beeinflussen. Allerdings nur begrenzt, wie eine US-Studie des Broad Institute kürzlich belegte.
Gene steuern Zuckerverwertung und Plaquebildung
Wie die Forscher im Magazin „Nature“ berichten, untersuchten sie Speichelproben von rund 12.500 Probanden. Analysiert wurde nicht nur die menschliche DNA, sondern auch die mikrobielle. So ermittelten die Wissenschaftler die Häufigkeit von 439 Bakterienarten, die sie in Beziehung zum jeweiligen menschlichen Genom setzten. Dabei zeigten sich deutliche Zusammenhänge. So hat das FUT2-Gen starken Einfluss auf die Mengen von 58 Bakterienarten und auf die Zuckerstrukturen auf Schleimhäuten, während das AMY1-Gen insbesondere das Vorkommen von Bakterien steuert, die an Zuckerverwertung und Plaquebildung beteiligt sind. Die individuelle Ausstattung mit diesen Genen entscheidet mithin über die Resilienz des persönlichen Mikrobioms und damit auch über die Zahngesundheit.
Immerhin: Wer dahin gehend ungünstig genetisch disponiert ist, hat einige Hebel, um diesen Nachteil auszugleichen. Sie alle sind sattsam bekannt: gründliche Mundhygiene, zahnschonende Ernährung und Lebensweise sowie regelmäßige Kontrollen.


