In einem interdisziplinären Forschungsprojekt mit über 150 beteiligten Hannoveraner und Braunschweiger Wissenschaftlern sollen die „intelligenten“ Implantate der Zukunft entstehen.
Obwohl die Erfolgsraten heutiger zahnimplantologischer Therapien sich der Idealmarke von 100 Prozent schon weit genähert haben, strebt die Forschung unablässig nach Optimierung. Einen Meilenstein im Hinblick auf die strukturelle und insbesondere finanzielle Ausstattung stellt dabei die jüngste der Zusage der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) dar, den sogenannten interdisziplinären Sonderforschungsbereich „Sicherheitsintegrierte und infektionsreaktive Implantate“ (SIIRI) in den kommenden gut drei Jahren mit einem achtstelligen Förderbetrag zu unterstützen.
Eingebunden sind diverse Hannoveraner (Medizinische Hochschule, Leibniz Universität, Hochschule für Musik, Theater und Medien) und Braunschweiger (Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, Technische Universität) Institutionen, die ein breites fachliches Spektrum abbilden: neben Medizin und Zahnmedizin auch Ingenieurwissenschaften wie Elektrotechnik und Maschinenbau sowie Naturwissenschaften wie Chemie und Physik, aber auch Sozialwissenschaften.
Monitoring als Frühwarnsystem
Eine Frucht dieser interdisziplinären Kooperation ist die Übertragung von Sicherheitsstrategien aus der Luftfahrt in die Implantologie, konkret von Lebensdauer- und Monitoringansätzen. Um die Sicherheit wichtiger Bauteile zu gewährleisten, werden diese in Flugzeugen regelmäßig kontrolliert oder dauerhaft mit Sensoren überwacht. Die an SIIRI beteiligten Ingenieure und Naturwissenschaftler erforschen, wie sich ein technisches oder biologisches Versagen eines Implantats möglichst frühzeitig entdecken lässt, wozu chemische, physikalische und zellbasierte Methoden zum Einsatz kommen. Die verbesserte Früherkennung soll die Erhaltungschancen bei gefährdeten Implantaten wesentlich verbessern. Auch an Systemen, die selbstständig Gegenmaßnahmen etwa bei Infektionen einleiten, wird getüftelt.
Für höhere Patienten- und Implantatsicherheit werden außerdem Konzepte für „digitale Zwillinge“ getestet. Sie ermöglichen im Rahmen eines digitalen Lebenszyklus-Managements die zeitlich unbegrenzte Nachverfolgung eines Implantats. Trotz der erzielten Erfolge, die zahnmedizinischen Patienten bereits heute zugutekommen, ist die Geschichte der Implantatentwicklung mithin noch lange nicht auserzählt.


